Herbergssuche in einer Wintersportdestination

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Herbergssuche in Schladming

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Um die Liebe zum Leben in den Bergen und im speziellen der wunderschönen Landschaft um die Tourismusdestination Schladming habe ich ja bereits keinen Hehl gemacht. Mit meinem bevorstehenden Umzug bzw. Rückzug vom Studentenleben in Kufstein nach Schladming wird nun eines der meistdiskutierten Themen in Bezug auf Regionalentwicklung zu einer traurigen Realität. Trotz intensiver Suche und weitreichenden persönlichen Netzwerken scheint es ein Ding der Unmöglichkeit, eine Mietwohnung in Schladming für zwei junge Unternehmer zu bekommen. Von Leistbarkeit ganz zu schweigen. 

by Clara-Maria Reimitz

Thema Wohnungssituation, wo man geht und steht

In Schladming wird in knapp 2 Wochen gewählt. Die Zeit ist wieder einmal gekommen, in der man von Aufstellern und Wahlplakaten gesäumte Straßen entlang geht oder fährt. Man sieht unterschiedliche Zugänge zu Auftritt und Tonalität, aber bei einem scheinen sich die antretenden Parteien und SpitzenkandidatInnen (unter den 8 erstgereihten Namen findet sich übrigens genau eine Frau) einig zu sein: das Thema, mit dem dieser Gemeinderatswahlkampf zu gewinnen ist, lautet Wohnungssituation. 

In einer Region, die bei rund 6600 EinwohnerInnen (Stand 2015), 12.500 Gästen pro Nacht Quartier bietet, ist eine Zuspitzung des Themas der Raumnutzung im Allgemeinen, und der Immobiliennutzung im Speziellen, nicht überraschend. Trotzdem habe ich mich entschieden, dem Thema einen Blogbeitrag zu widmen, da er mich bei aller Begeisterung für die Region ganz privat betrifft. Mein Freund und ich suchen seit knapp einem Monat nach einer Mietwohnung in Schladming-Zentrum und das enttäuschende Fazit nach 4 Wochen des Durchforstens von Facebook-Seiten, Immobilienkleinanzeigenteilen von Regionalzeitungen, Online-Immobilienanbietern und dem kräftigen Rühren der guten alten Maultrommel ist 0. Zero Mietobjekte gibt es momentan im Schmuckstück des Ennstals. Diese traurige Zahl beinhaltet nicht einmal unseren Vorstellungen entsprechende Wohnungen, sondern einfach die Gesamtzahl der verfügbaren Mietwohnung in Schladming. 

 

© Schladming-Dachstein.at
© Schladming-Dachstein.at/ Martin Huber

Nachhaltige Regionalentwicklung bedeutet auch, Raum für Einheimische zu schaffen 

Die Wohnungssituation ist natürlich nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges. Eine nachhaltig gedachte Tourismusregion ist gleichzeitig ein Lebensraum – nämlich für die vielen Einheimischen, die SaisonarbeiterInnen, die die touristische Nutzung erst ermöglichen und UnternehmerInnen, die wirtschaftliche Diversität und dadurch eine stabilere Wirtschaftssituation für die Region schaffen (nachzulesen etwa hier). Hier ist die Politik gefragt, eine Situation zu schaffen, die es ermöglicht, auch in Tourismusregionen eine dynamische Unternehmenskultur auszubilden. Das beinhaltet etwa die Schaffung von leistbaren Wohn- und Arbeitsplätzen, die infrastrukturell möglichst angebunden (also im Ortszentrum) sind, oder die Unterstützung von Plattformen, die einen lebendigen Austausch zwischen den verschiedenen Unternehmensformen abseits (aber auch mit) dem Tourismus fördern. Gleichzeitig ist es nicht genug, diese Strukturen zu schaffen, sondern es erfordert auch die aktive Bewerbung der Region als einen dynamischen Wirtschaftsstandort. 

Nach den Ergebnissen des Austrian Start Ups Monitor ist die Steiermark grundsätzlich kein Start Up feindliches Bundesland. 2019 wurden die Teilnehmenden erstmals danach befragt, ob sie ihren eigenen Standort anderen JunggründerInnen empfehlen würden. Auf einer Skala von 1-10 (0=nicht zu empfehlen, 10=sehr zu empfehlen), wurde dabei für die Steiermark ein Durchschnittswert von 7.5 erhoben, was das grüne Herz Österreichs an erste Stelle katapultiert, noch vor Wien und Oberösterreich (~7.2). Verantwortlich dafür zeigen sich der Meinung des Autors dieses Blogbeitrags in erster Linie die vielfältigen Förderungsmöglichkeiten des Standorts Graz. 

Die Plattform Wirtschaft Graz der Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung der Stadt Graz etwa bietet eine umfangreiche Aufstellung und Förderung von Co-working Spaces, GründerInnen-Netzwerken und anderen Leistungen für JungunternehmerInnen mit Vision. 

Doch, um den Bogen zu spannen, und den allseits beliebten Dr. Maslow wieder einmal zu bemühen, jedes ausgeklügelte Gründerprogramm eines Standorts ist vergebens, wenn die allgemeinen Lebensbedingungen der Region dagegen arbeiten. Wenn man JunggründerInnen und Wirtschaftstreibenden im Allgemeinen keine Grundlagen für ein lebenswertes Arbeiten bietet, dann wird das Wirtschaftssystem der Region wohl oder übel gleich starr und damit angreifbar bleiben. Diese Angreifbarkeit wird uns momentan besonders in den Tourismusgebieten deutlich vor Augen geführt. Skigebiete beenden vorzeitig ihre Saison, Gastwirte, Seilbahnen und Hotelliers spüren bereits die Verluste, die kurzfristige Stornos in einem schneearmen und kurzen Winter auslösen und fehlende Gäste aus dem asiatischen Raum sowie Italien führen zu deutlichen Umsatzeinbußen. 

Also, damit ich nicht weiter herumsudern muss, weiß jemand von einer leistbaren Mietwohnung in Schladming? 

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