Nachhaltigkeit in aller Munde

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Nachhaltigkeit in aller Munde...

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Ein Begriff, dem man in den aktuellen Debatten rund um die Themen Destinations- und Regionalentwicklung, Tourismus und Regionsgestaltung nicht und nicht zu entkommen scheint. Doch was bedeutet nachhaltiges Handeln in Regionen, die in einem ständigen Spannungsfeld zwischen touristischer und wirtschaftlicher Nutzung der Natur stehen? Im folgenden Beitrag wird dieser Frage nachgegangen und wie nachhaltiges, im Sinne von verantwortungsbewusstem, Handeln im Destinationsmarketing und Tourismusmarketing aussehen kann.

by Clara-Maria Reimitz

Berg- und Lebenswelt

Wie bereits in der klaren Story erwähnt, hat mich die Liebe zu den Bergen im Wander- und Skiparadies Schladming gepackt. Ich hatte das Glück, die wunderschönen Schladminger Tauern für mehrere Wintersaisonen und schließlich zwei volle Jahre mein Zuhause nennen zu dürfen. Immer noch fühlt es sich wie eine Heimkehr an, wenn ich die Ennstal Bundesstraße, an den vier Hausbergen entlang, nach Schladming hineinfahre. 

Mit einer zunehmenden Beschäftigung mit dem Thema Regional- und Tourismusentwicklung, stieg auch meine Aufmerksamkeit für die großen Themen, mit denen sich Regionen wie Schladming bereits seit dem Bergtourismusboom seit den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, auseinandersetzen müssen (einen kurzen Überblick über die österreichische institutionelle Tourismusentwicklung findet Ihr übrigens hier). Gleichzeitig wuchs mein Respekt vor der schwierigen Aufgabe, den Spagat zwischen touristischer und landwirtschaftlicher Nutzung der Umwelt, Schutz der Flora und Fauna und der Schaffung einer lebenswerten Region für Einheimische zu schaffen. 

In einer Zeit, in der mehr und mehr Tourismusdestinationen erkennen, dass der Weg, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermehrt eingeschlagen wurde, der eine rücksichtslose wirtschaftliche (Aus-) Nutzung der vorhandenen Ressourcen vorsah und darüber hinaus wenig bis keine Maßnahmen zur Erhaltung der bestehenden Strukturen setzte, keine Zukunft hat, suchen immer mehr EntscheidunsträgerInnen und Stakeholder in den betroffenen Regionen nach Antworten. Eine dieser Antworten, oft heruntergebrochen auf die allgegenwärtige, vorgefertigte Phrase, lautet: “Wir müssen auf Nachhaltigkeit setzen.”

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(c) Clara Reimitz

Nachhaltigkeit – what’s that? 

Dieses praktische Sätzchen, gern genutzt von Lokal- und Bundespolitikern, Marketingexperten, Bergbahnen und Wirtschaftstreibenden, bringt mich häufig an den Rand der Verzweiflung – denn auf genauere Nachfrage, was denn diese Nachhaltigkeit beinhaltet oder wie nachhaltiges Handeln in Tourismusregionen gestaltet sein kann, erwartet einen oft gähnende (Inhalts-) Leere oder verständnislose Blicke. 

Ein erster Ansatz, sich diesem umfassenden und komplexen Thema zu nähern, wäre meiner Meinung nach eine Auseinandersetzung mit dem Trend-Begriff an sich. Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich im Allgemeinen und was in Bezug auf Tourismusentwicklung und Destinationsmanagement? 

Ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammend, ist der Begriff in seiner heutigen Verwendung laut der Plattform Nachhaltigkeit.info im Diskurs um volkswirtschaftliches Wachstum anzusiedeln. Nachhaltigkeit bezeichnete einen Gegengedanken zum als grenzenlos begriffenen Wirtschaftswachstum der 1950er und 1960er. Nachhaltigkeit bedeutet, ressourcenschonend zu wirtschaften, Rücksicht auf endenwollende Strukturen zu nehmen und dieses Bewusstsein in eine langfristige Strategie einzubinden. 

Mit diesem kurzen Exkurs zur Begriffsgeschichte wird auch gleichzeitig mit einem gern gehörten Mythos rund um Nachhaltigkeit aufgeräumt. Nachhaltiges Handeln kann nicht den gleichen finanziellen oder wirtschaftlichen Ertrag bringen wie profitmaximierendes, aber kurzfristig funktionierendes Denken. Grenzenloses Wachstum, ob auf Mikro- oder Makroebene kann innerhalb eines nachhaltig gedachten Wirtschaftsmodells nicht existieren. PolitikerInnen, die konstant bleibenden oder gar steigenden finanziellen Gewinn (im gleichen zeitlichen Rahmen) durch nachhaltige Geschäftskonzepte versprechen, sind dementsprechend mit einem vernünftigen Maß an Skepsis entgegen zu treten. 

Wo nachhaltiges Handeln allerdings sehr wohl einen offensichtlichen, auch wirtschaftlichen, Profit birgt, sind langfristige Nutzungen oder Entwicklungen. Ein Bauernhof, auf dem ressourcenschonend gewirtschaftet wird und der von Generation zu Generation weitergereicht wird, bringt insgesamt weit mehr Ertrag als eine landwirtschaftliche Großproduktion, die ihre Lebensdauer durch Übernutzung nur durch steigende Investitionen künstlich verlängern kann. So weit, so simpel. Aber wie sieht eine Anwendung dieses Konzeptes, das ja so ganz nett klingt, in einem komplexen Wirtschaftssystem mit verschiedensten Abhängigkeitsnetzwerken, wie eben das einer ganzen Region, aus? 

In einer Region wie Schladming, deren Wertschöpfung zu fast 64% im tertiären Sektor (Quelle: Steirische Statistik) passiert und die in der Saison 2012/13 eine Bruttowertschöpfung von €546,7 Mio. durch den Skitourismus erhoben hat, muss der Wirtschaftsfokus ganz klar auf dem Fremdenverkehr liegen. Aber: kann Tourismus, insbesondere Bergtourismus, der darin besteht, möglichst viele Gäste auf die heimischen Berge zu bringen, überhaupt nachhaltig sein? Ist nachhaltiger Bergtourismus nicht im Kern bereits ein Paradox? 

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(c) Clara Reimitz

Lösungsansätze statt sudern 

Es gibt bereits unterschiedliche Organisationen, Projekte und überregionale oder -staatliche Zusammenschlüsse, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Zum Beispiel CIPRA, die sich mit der Entwicklung von Lebensraum in den Alpen auseinandersetzt und bereits seit 1952 besteht. 1991 wurde, von CIPRA angeregt, von den UmweltministerInnen der Alpenstaaten (DE-FR-IT-AT-SL-LI-CH) die Alpenkonvention unterzeichnet, die sich dem Schutz des Lebens in den Alpen verschrieben hatte. 

Die Lösungen, die zum Schutz der Alpinen Regionen vorgeschlagen werden, sind so vielfältig wie die Problemfelder. Ansätze müssen im Spannungsfeld zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen gesetzt werden. Das erfordert ein Zusammenspiel von politischer Handelsbereitschaft, langfristigen Lösungsstrategien und öffentlichem Bewusstsein, sowohl bei Einheimischen als auch Gästen. 

Angebote müssen geschaffen werden, die Gäste zu Slow Tourism und umweltfreundlicher Anreise und Mobilität anregen – die Benutzung von E-Cars, E-Mountainbikes und öffentlichen Verkehrsmitteln in den Regionen muss für Auswärtige und Anwohner leistbar und sinnvoll umgesetzt werden. 

Gute Ausbildungsplätze, ordentliche Schulen und Kindergärten, ein Angebot an Co-Working Spaces und leistbares Wohnen können ein klares Bekenntnis zur Erhaltung des Lebenswertes in den Regionen für Einheimische sein. Der Ausbau von Zweitwohnsitzen und Geisterstädtchen muss rigoros gebremst werden. Gesunde Regionen mit genügend Arbeitskräften können der unkontrollierten Arbeitsmigration entgegen wirken. 

Attraktionen am Berg müssen umweltfreundlich und ressourcenschonend gestaltet werden und genügend Raum für die Nutzung der Angebote auch durch Einheimische bieten.

Hoteliers und Gastronomie müssen genauso angehalten werden, auf regionale Produkte und Lieferanten zu setzen, wie das Bewusstsein bei nicht-touristischen Betrieben gefördert werden muss, dass Dienstleistungen und Produktion aus der Region vorzuziehen sind. 

Der Ausbau von Skipisten, Liftanlagen und Speicherteichen müssen umweltgeprüft und gedeckelt werden. Das Angebot von Slow Alternativen, wie Winterwandern, Schneeschuhwandern auf gekennzeichneten Wegen, Eislaufen auf den Teichen und Seen oder Skitourengehen auf Skirouten muss ausgebaut und entsprechend beworben werden.

Das sind alles Maßnahmen, die nicht unmöglich klingen. Logischerweise muss es dazu ein klares Bekenntnis der lokalen Politik und der anderen Stakeholder wie Wirtschafttreibende, Touristiker insbesondere, und der Bergbahnen geben. 

 

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(c) Monika Reimitz Photography

Ein Flagship-Projekt 

Wer sich nun die Frage stellt, warum ich mir als kleine Marketingagentur zu diesen Themen überhaupt Gedanken mache, der hat vermutlich meine Klare Leitlinie nicht gelesen. Kurz gesagt, sehe ich es als die grundsätzliche Aufgabe eines jeden Einzelnen, für eine lebenswertere Umwelt einzutreten und nachhaltig und langfristig sinnvoll zu handeln. 

Ich habe außerdem das große Glück, bei einem Projekt mitzugestalten, das viele der angedachten Ansätze hier übernimmt und umsetzt. Der neue E-Trial Park auf der Schladminger Planai, der im Sommer 2020 eröffnet wird, schafft durch umweltfreundliche E-Bikes, der Nutzung von vorhandenen Bodengegebenheiten und einer klaren Positionierung als Attraktion am Berg für Einheimische und Gäste ein nachhaltiges Tourismusangebot. Der Park wird 100%ig aus natürlichen Materialen gebaut, das Bild der Attraktion soll sich nahtlos in die Schladminger Bergwelt einfügen. Dienstleistungen wie etwa das Service der Bikes werden an lokale Anbieter ausgelagert. Und nicht zuletzt wird eine im Winter genutzte Infrastruktur für den Sommerbetrieb geöffnet und so ganzjährige Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. Lest mehr zum E-Trial Park Planai und den Trialstars hier

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mit freundlicher Genehmigung von (c) Osetbikes.at

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